Mehlschwalben schützen und für eine lebenswerte Umwelt sorgen.
Jetzt ist es wieder so weit
Viele tausend Mehlschwalben (Delichon urbica) kehren aus ihren Winterquartieren zu uns zurück. Während Rauchschwalben (Hirundo rustica) vornehmlich in Gebäuden (z.B. in Scheunen, Ställen, Garagen u.ä.) brüten, finden wir die Nester unserer Mehlschwalben in der Regel an den Außenfassaden von Gebäuden. Leider kommt es durch ihre Nester jedes Jahr aufs Neue zu Konflikten, dabei ist ein Miteinander mit den Frühlingsboten gar nicht schwer.
Die einstigen Felsenbrüter folgten den Menschen in seine Siedlungen und brüten dort in Kolonien vorwiegend unter Dachüberständen und Gesimsen. Ihre unverkennbaren Nester bestehen hauptsächlich aus Lehm, den sie sich aus Pfützen holen.
Außerhalb der Brutzeit suchen nahrungssuchende Vögel bevorzugt Gewässer auf. Den Winter verbringen Mehlschwalben zwischen Sahara und Südafrika. Vor ihrer langen Reise versammeln sie sich im Herbst oft zu Hunderten. Im Frühjahr kehren sie zu uns zurück und ziehen zwischen Mai und September meist 2 Bruten mit 4-5 Jungen groß. Bemerkenswert ist die Leistung der Mehlschwalben beim Vertilgen von Schadinsekten: Während einer Brut werden von einer Schwalbenfamilie etwa 1 kg Insekten benötigt. Das entspricht in etwa 1 Million Mücken!
Als ehemaliger Charaktervogel ländlicher Siedlungen und treuer Helfer bei der Regulierung von Schadinsekten (neben Mücken werden auch Fliegen und Blattläuse vertilgt) hat die Mehlschwalbe in jüngster Vergangenheit erhebliche Bestandseinbußen hinnehmen müssen und ist deshalb bereits in der Roten Liste der Vögel Deutschlands zu finden. Früher als Glücksbringer gern gesehen, kann sich heute jeder glücklich schätzen der ein oder mehrere Schwalbennester unter seinem Dach hat. Die Gründe für die Bestandseinbußen sind bekannt: Flächenversieglung, intensive Landwirtschaft, sterile Gärten und "moderne" Bauweisen zerstören zunehmend die Lebensgrundlage der Mehlschwalben. Aber auch fehlende Toleranz und Unwissenheit des Menschen gegenüber diesen nützlichen Mitbewohner stellen eine nicht zu unterschätzende Gefährdung dar. Da Mehlschwalben ihr Nest kotfrei halten, kann es unterhalb der Nester zu Verschmutzungen kommen. Von Vergrämungs- und Bekämpfungsaktionen sollte aber abgesehen werden, da laut aktueller Rechtslage selbst außerhalb der Brutzeit das Entfernen von Nestern verboten ist. Bei begründeten Ausnahmen ist eine Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde einzuholen.
Das Zauberwort heißt Toleranz. Durch Montage eines Kotbrettes einen Meter unter den Nestern können hygienische Probleme gelöst werden. Der Kot kann dann als Dünger verwendet werden. Lassen Sie Schwalben an Ihrer Fassade brüten und klären Sie Mitmenschen über ihren Nutzen auf. Häufig fehlt den Mehlschwalben zu bestimmten Zeiten Baumaterial. Die Anlage einer Lehm- oder Tonpfütze kann derartige Engpässe überbrücken. Ansonsten kann der Mangel an Baumaterial durch die Anlage von Nisthilfen an Gebäuden unter Dächern und anderen Vorsprüngen ausgeglichen werden. Setzen Sie bei Neupflanzungen auf einheimische Sträucher und Bäume. Derartige Nischen für Insekten führen prompt zu einer Anhebung der Artenvielfalt in Ihrem Garten. Nicht nur Schwalben, auch andere Tiere profitieren von einer naturverträglichen Gartennutzung. Ein treuer und nützlicher Begleiter braucht unsere Hilfe. Helfen Sie mit Mehlschwalben und letztlich auch uns Menschen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten!
Textautor: Thomas Lüdicke und Jörg Lemmert
Foto: NABU |
Foto: Norman Schiwora (NABU) |
